Tag der Bauernhoftiere mit Eseln und Maultieren  im Freilichtmuseum Ballenberg

von Elke Stadler

Anreise für den Tag der Bauernhoftiere am Sonntag den 14. September war sowohl für die Eselfreunde, als auch die IGM-Mitglieder für die meisten schon der Samstag. Es hatten sich dieses Mal nicht so viele Helfer und Helferinnen angemeldet, wie in Jahren zuvor. Mulis sollten acht bzw. nur sechs am Sonntag da sein. Schade eigentlich, denn der Wetterbericht verhiess viel Sonnenschein!

Unser kleines IGM-Grüppli aus der Ostschweiz, Guido und Elke aus dem Toggenburg,  Bea, Hans und Tochter Heidi aus dem Glarnerland machte sich in der Frühe pünktlich und planmässig um 07:00h auf den Weg. Hans fuhr, ganz Easy Rider, mit dem Töff. Im Anhänger waren die wichtigsten Mitreisenden: Guidos Muli Menta und Beas Bianca.

Ohne Stau und Pannen trafen wir ca. zwei Stunden später am Reitstall Bifing ein. Die Mulis geputzt und gesattelt ging es sogleich zur Begrüssung und Besammlung am Museumseingang. Dort wurden wir schon von Mäge und Brigitta mit Kaffee und Gipfeli erwartet. Nachdem wir unsere Gratis-Eintritte gefasst hatten, liefen und ritten wir zum Ostermundingenhaus, um welches wir uns nun zwei Tage lang hauptsächlich aufhalten sollten. Auf dem Platz davor waren bereits die Verkaufs- und Infostände der Eselfreunde und der IGM aufgebaut. Es herrschte schon geschäftiges Treiben rundum. Ein Eselbesitzer und Drehorgelmann mit einem mächtigen Bart untermalte die Szenerie mit nostalgischen Klängen.

Für heute hatten die Eselfreunde eine Eselwanderung durch das Museumsgelände mit Infoposten und Geschicklichkeitsparcour organisiert, zu dem man sich hatte anmelden können. Für die IGM-Mitglieder war nur die Standbetreuung unter jenen zu organisieren, welche sich dafür gemeldet hatten. Ansonsten stand für uns "Maultiere unterwegs durch den Ballenberg" auf dem Programm. Das hiess nach Belieben freies Reiten oder Spazieren ob allein oder zu mehreren.

So wurde auch bei den Eselposten vorbei geschaut, mit oder ohne Muli. Anstrengend schien es vor allem für die Besitzer der Eseli zu sein. Man konnte sie beispielsweise beim Sackhüpfen oder kompliziertem Wassertransport beobachten. Die Esel nahmen es nebenbei gelassen. Interessierten Besuchern wurden unterwegs die Maultiere vorgestellt. An unserem Stand traf man sich immer wieder. Es wurde dies und das verkauft und vor allem viel geplaudert.

Für die heutige Verpflegung am Mittag hatten die Eselfreunde gesorgt. Es konnte sich jeder an ihrem Stand ein Lunchpaket abholen. Auch den Nachmittag verbrachte jeder mehr oder weniger nach seinem Gusto und am Stand wechselten wir uns ab. Natürlich war auch das nahe Restaurant ein beliebter Treffpunkt, wo Muligeschichten bei einem kühlen Bier oder Glace ausgetauscht wurden. Urs Peter fuhr mit seinem Muli-Zweiergespann mit einem alten Wagen auf dem Platz vor. Dieses Fuhrwerk sollte Bea später noch zum Verhängnis werden. Vor dem z' Nacht durften wir noch einen Apéro geniessen, organisiert von den Eselfreunden. Es gab im Ballenberg hergestellten Käse und Wurst zu Wein oder Alkoholfreiem.

Dann brachen wir auf, um die Mulis im Bifing einzustellen und unsere Nachtquartiere zu beziehen. Bea dachte sich, warum zum Ausgang laufen? Bequemer lässt es sich auf der Ladefläche bei Urs mitfahren. Ein Ruck, die Mulis zogen an. Bea war nicht gefasst darauf und sprang unfreiwillig vom Wagen. Dabei stiess sie mit der Wade heftig an die hinten heraus stehende Blattfeder. Im Bifing angekommen schwoll die Wade trotz sofortiger Kühlung mit nassem Wickel mächtig an...

Im Restaurant des Reitstalls waren wir zum Nachtessen angemeldet. Dort waren gleichzeitig eine ganze Menge Hundesportler zugegen, die auf dem Reitplatz mit ihren Hunden Prüfungen absolviert hatten. Küche und Service hatten alle Hände voll zu tun, um die grosse Schar der Gäste satt zu bekommen und für genügend Nachschub zu sorgen. Als der Kartoffelgratin ausgegangen war, landeten grosse Schüsseln mit Pommes Frites auf unserem Tisch. So ging schliesslich niemand hungrig schlafen.

Wie gut, hatten wir für unser Nachtquartier "luxoriös" gewählt. So konnte Bea ihre lädierte Wade im Hotelbett zu Brienz weich lagern und dennoch gut schlafen. Als einziger unserer Gruppe hatte Guido "einfach" im Stroh gewählt. Auch er war nicht ohne Blessur davon gekommen. Er war rücklings über einen historischen Fussabtreter gestolpert und verstauchte sich beim Fall das Handgelenk. Der Dritte im Bunde der Pechvögel war Urs. Ihn hatte es bei einem missglückten Versuch aufs plötzlich los laufende Muli zu steigen, bätsch, auf den Rücken gelegt. Er wollte im Reflex Halt am Kummet finden. Das Ding drehte sich aber am Hals...  Er stand glücklicherweise ohne gröberen Schaden wieder auf. So endete der erste Tag nicht ganz schmerzfrei für die Einen. Das Lachen mit den Anderen war ihnen trotzdem nicht vergangen.

Ein wunderschöner Morgen empfing uns am Sonntag. Es sollte heute noch wärmer werden mit Sonnenschein den ganzen Tag. Das Frühstücksbuffet im "Brienzer Buurli" war sehr fein! Wohl gestärkt machten wir uns auf und fuhren zum Reitstall, um die Mulis zu holen. Am Museumseingang erhielten wir wieder unsere Billette und dazu Bons fürs Mittagessen. Um 10:00h startete das Publikumsreiten, sowohl mit einer Eselkarawane als auch mit unseren Maultieren. Ein Esel ging "fremd" und lief bei den Maultieren mit. Es ist ein besonders schönes Tier und gehört Mirjam vom Schlosshof Wikon. Sie kam mit ihrem Vater und noch einem Maultier dazu. Eva kam per Zug von St. Gallen und beteiligte sich mit als Muli-Führerin. Das Reiten fürs Publikum lief gut an. Immer mehr Besucher kamen und viele Kinder von ganz klein bis gross holten mit den Eltern Nummernkärtli, standen dann geduldig an, um sich einen Helm anpassen zu lassen und warteten auf das nächste ankommende Muli.

Menschen und Mulis wurden hungrig und genossen am Mittag eine wohlverdiente Pause. Wir erhielten auf der Heubühne im Ostermundigenhaus einen währschaften z' Mittag, Ghacktes mit Teigwaren, spendiert vom Museum.

Die zweite Runde Publikumsreiten startete um 13:30h. Nun liefen die Besucher in Scharen über den Platz und fast pausenlos kamen Kinder und Eltern, welche ein Kärtli zum Reiten holten. "Geht das, sie ist erst zwei Jahre alt?" - "Es geht jedes Alter, am Bein ein wenig festhalten und aufpassen beim Mitlaufen."- "Ach, Danke viel mal, zum Glück, sonst hätte es ein Drama gegeben, wenn die Grosse darf und sie nicht!" Dem Mami wich der Stress von der Seele. Der Sonntagsausflug war gerettet.

Urs bot am heutigen Tag zwei weitere Attraktionen mit alten Geräten. Als erstes spannte er seine Maultiere vor einen Mäher und führte damit vor, wie in alten Zeiten die Wiesen gemäht wurden. Später spannte er sie vor einen Pflug und begann einige Furchen in eine Wiese zu ziehen und diese umzupflügen. Das sah recht anstrengend aus, da sowohl Mensch als auch Tier solches ganz und gar nicht gewohnt waren. Man konnte erahnen, dass es viel Routine braucht, damit eine solche Arbeit ruhig und präzis von statten gehen kann.

Bis 15:00h verkauften wir Muliritte. In der letzten Stunde gab es einen regelrechten Ansturm. Immer wieder mussten Kärtli von der Reitstation an den Stand geholt werden, weil sie ausgingen. Die Mulis und Führer drehten Runde um Runde. Erst als wir dann mit dem Verkauf Schluss machten, wurde die Schlange der anstehenden Kinder allmählich kürzer, bis das letzte aufsitzen konnte. Nun war es auch nötig, den Mulis ihren wohlverdienten Feierabend zu gönnen. Sie waren sichtlich müde und mussten ja auch noch die Heimreise im Anhänger über sich ergehen lassen.

Bis gegen Abend liessen wir den Tag noch gemütlich ausklingen. Die meisten IGM-Mitglieder versammelten sich oben in der Beiz und am Stand wurde dann gegen 17:00h auch zusammen gepackt. Zwei lebhafte, gelungene von herrlichem Wetter begleitete Tage mit Mulis und Eseln im Ballenberg gingen zu Ende. Wir kamen müde, aber zufrieden (nicht alle ganz heil) wieder zuhause in der Ostschweiz an.