Zur Ausbildung der Train - Rekruten im Umgang mit dem Maultier

Sowohl im zivilen wie militärischen Bereich gilt das Maultier als ein äusserst zuverlässiger Partner für Transporte in unwegsamem Gelände. Seine Dienste sind auch heute noch gefragt und auf die Ausbildung im Umgang mit ihm und für seine Nutzung wird in unserer Armee grösster Wert gelegt.

Grundsätzliches

Dem Maultier wird für seinen Einsatz, vor allem unter unwirtlichen Bedingungen, seit jeher grösstes Lob gezollt. Erwähnt werden dabei u.a. seine Anpassungsfähigkeit, Intelligenz, Ausdauer, Härte, Kraft und Behendigkeit (Schmid, 1944). Die ersten beiden Eigenschaften können jedoch dazu führen, dass es zu Missverständnissen zwischen Tier und Betreuer kommt. Bei der Suche nach den Ursachen muss gemäss Zumtaugwald (1944) aber fast immer der Mensch das "mea culpa" sprechen. Ein weiteres grosses Problem sind Druckschäden (Schwyter, 1908). All diesen Problemen will man mit der gezielten Ausbildung der Rekruten begegnen und die Kompetenz sowohl für militärische wie zivile Aufgaben (z.B. Land- und Forstwirtschaft, Tourismus, Rettungswesen) erhalten. 

Zur Ausbildung im Umgang mit dem Muli in der Rekrutenschule 57-1

Bei vorbereitenden Gesprächen des Kommandanten Oberst Liechti mit der IG für das Maultier wurde vereinbart, dass Personen ihr Wissen vermitteln sollen, die tagtäglich mit dem Maultier arbeiten. Die Wahl fiel dabei auf die Berner Tony Krähenbühl und Hansueli Weber. Als Unterlagen wurden bestehende Reglemente sowie Ergebnisse neuer ethologischer Studien zu Rate gezogen (siehe Literatur).

In der ersten Woche der Übernahme der Tiere (Mitte April) wurden Rekruten und Kader in der Kaserne Sand (Schönbühl bei Bern) zuerst mit Eigenheiten des Hybriden Maultier vertraut gemacht. Das Wesen seiner Eltern und die Auswirkungen der Heterosis-Effekte wurden differenziert dargestellt. Besonders erwähnt wurde, dass ein engerer Bezug zwischen Tier und Mensch v.a. auf gegenseitigem Vertrauen beruht.

Beim Zäumen und Satteln muss den Eigenheiten der Tiere Rechnung getragen werden. Die Empfindlichkeit ihrer Ohren muss respektiert und eine grössere Freiheit im Bereich des Stirnbandes beachtet werden. Die Gefahr des Rutschens des Sattels ist beim Muli anatomisch bedingt grösser als beim Pferd; das aufmerksame Anpassen des Vorder- und Hintergeschirrs ist darum unabdingbar. Peinliche Sauberkeit von Tier und Geschirr sind für die Druck-Prophylaxe unerlässlich.

Bei der Arbeit im Gelände konzentrierte man sich auf das Vermeiden von Risiken, v.a. den Umgang mit drängenden Tieren. Diese Unsitte darf nie toleriert werden und jedes Muli muss auf "HO" anhalten und stehen. Körpersprache und Stimme spielen bei Ausbildung und Arbeit eine grosse Rolle. Dominante Tiere gehören an die Spitze der Kolonne und die Hierarchie in einer Gruppe muss bekannt sein.

 

Die Hackordnung in einer Gruppe erkennt man mit der Gabe von Futter an einer Stelle im Auslauf oder auf der Weide. Dominante Tiere werden bei dessen Verteidigung für gewöhnlich rasch erkannt - in diesem Fall die Fuchsstute Bibine.

Die Arbeit in einer Kolonne ist Team - Arbeit und das vordere Tier muss auch im Auge behalten werden. Das Aufstellen der Haare an der Hinterbacke sowie das Aufstellen und Wippen des Schweifs bedürfen des Lockerns des Hintergeschirrs und des Schweifriemens. 

 

Hanspeter Meier

 

Literatur

Osthaus B., Proops L., Hocking l. & Burden F. (2013):

Spatial cognition and perse-veration by horses, donkeys and mules in a simple A-not-B detour task. Animal cognition, March, Volume 16, Issue 2, 301-305

Proops L., Burden F. & Osthaus B. (2009):

Mule cognition: a case of hybrid vigour? Animal Cognition, January 2009, Volume 12, Issu 1, 75-84

Schmid A. (1944):

Anleitung zur Maultierzucht. Eidg. Drucksachen- und Materialzentrale in Bern

Schwyter H. (1908):

Über Druckschäden bei den Reit-, Zug- und Basttieren der Armee. Mit besonderer Berücksichtigung der Ursachen, sowie der Mittel zu deren Verhütung; Verlag von Stämpfli & Cie., Bern

Zumtaugwald K. (1944):

Der heutige technische und wirtschaftliche Stand der Walliser- Maultierzucht und ihre zukünftige Förderung im Dienste der Walliser- Landwirtschaft und der schweizerischen Armee. Diplomarbeit ETH Zürich, Abteilung für Landwirtschaft (DipIL764)

 

Artikel für Schweizer Archiv für Tierheilkunde Juli 2015